22.08.2018

Nach Deutscher Rookie-Meisterschaft

Dennis Schmitz auf dem Weg zu den Profis

Dennis Schmitz auf dem Weg zu den Profis
Endlich hat er es geschafft: Nachdem er zuvor zweimal in Klingenthal und in Lichterfeld hauchdünn den Cup-Sieg verpasst hat, hat Dennis Schmitz bei der Deutschen Rookie Meisterschaft 2018 seinen ersten Titel gefeiert. Dieser vorerst größte Triumph seiner Sportholzfäller-Karriere markiert auch einen Wendepunkt. Der Frechener ist nun fest entschlossen den Sprung vom Nachwuchs zu „den Großen" zu schaffen. Wir haben ihn vor seinem ersten Rookie-Triumph einen Tag durch seinen Alltag begleitet und festgestellt: Der Kerl meint es ernst.

„Schönen guten Morgen", strahlt Dennis Schmitz vom Beifahrersitz eines dunkelgrünen Pick Ups nach draußen. Es ist zwar noch früh, aber so viel Tatendrang steckt an. Auch ohne Kaffee bin ich spätestens jetzt hellwach. Und nicht nur wegen des netten Empfangs beginnt der Tag in Köln gut: Es herrschen angenehme Temperaturen, die Sonne scheint und nach herzlicher Begrüßung treiben wir durch den Straßenverkehr. Das „Forstrevier linksrheinisch" ist der Arbeitsplatz von Dennis Schmitz. Der Sportholzfäller aus Frechen ist Forstwirt und kümmert sich auf der Kölner Domseite um Flora und Fauna. Forstarbeit und das Sportholzfällen – das passt zusammen, wie Dennis Arbeitskollege Marco bestätigt: „Er hat die Forstarbeit im Blut. Deshalb ist das Sportholzfällen genau das Richtige für ihn."

Das beweist Dennis Schmitz auch nach einer kurzen Autofahrt mit Beginn der ‚richtigen Arbeit‘. In den urbanen Gefilden der Rheinmetropole ist Forstarbeit gleichbedeutend mit Verkehrssicherung. Das bedeutet: Bäume, die drohen auf Straßen zu fallen und so den Verkehr gefährden könnten, müssen zuvor kontrolliert gefällt werden. Routinearbeit für das eingespielte Duo, das schon seit einigen Jahren Seite an Seite arbeitet. Dennis Schmitz selbst hat 2004 seine Ausbildung zum Forstwirt begonnen und 2007 erfolgreich abgeschlossen. Seitdem ist er in der Branche aktiv. Damit hat er im Alter von 31 Jahren schon einiges erlebt, wovon wiederum seine Kollegen profitieren: „Dennis hat auf alles eine Antwort und er ist ein gerader und hilfsbereiter Typ, an den ich mich bei Fragen gerne wende", erzählt Marco. Aber nicht nur bei Fragen rund um den Forst, berät Dennis seine Kollegen – das erlebe ich in der Pause. Dennis und Marco holen ihre XXL-Lunchboxen hervor: Viel Obst und Gemüse, eine Menge gekochte Eier und noch mehr Eiweiße – ein richtiges Sportlerfrühstück. „Damit hat er uns schon angesteckt", deutet Marco auf Dennis. „Er" achtet akribisch auf seine Ernährung. Für den Sportholzfäller ist es die Grundlage einer guten Fitness und ohne die ist weder sein Beruf noch das Sportholzfällen für ihn denkbar: „Ein Auto bewegt sich auch nur mit dem richtigen Kraftstoff", lächelt Dennis.

Sportholzfällen als Ausbildung
Nach getaner Arbeit geht es für Dennis mit der zweiten Schicht weiter: Es geht an die Axt! Vor kurzem hat sich Dennis Schmitz auf dem Hof eines Freundes seinen eigenen Trainingsplatz eingerichtet und freut sich seitdem über beste Trainingsvoraussetzungen und arbeitet vor allem an seiner Technik: „Ich habe hervorragende Trainingsbedingungen und bin mir diesen Glücks bewusst." Dreimal wöchentlich kommt er her und arbeitet an sich, damit er möglichst bald die Freigabe für die Profis bekommt. Es wäre für ihn der nächste große Schritt in seiner noch jungen Sportholzfällerkarriere, darüber hinaus plant der 31-Jährige vorerst nicht: „Ich vergleiche das Sportholzfällen gerne mit einer Ausbildung. Natürlich hoffe ich irgendwann bei den Großen auf dem Podium zu stehen, aber ich komme nur Schritt für Schritt voran und muss dafür hart arbeiten." Nachdem Dennis seine Blöcke vorbereitet hat, beginnt er mit dem Standing Block Chop. Er lässt sich Zeit, scheint jeden Schlag ganz bewusst zu platzieren. Die Zeit spielt, anders als beim Wettkampf, keine Rolle. „Für mich ist es wichtig an meiner Technik zu arbeiten. Außerdem ist das Holz viel zu schade, als dass ich es einfach so klein hauen würde", erklärt er sein bedachtes Vorgehen. Nach wenigen Minuten ist der erste Block geschafft. Bevor es weitergeht, wird erst aufgeräumt – die Holzstücke sind weit über den Trainingsplatz verteilt. Dann geht es mit dem Underhand Chop weiter. Dasselbe Bild: Dennis schlägt in Ruhe die Chips aus dem Holz, dann richtet er sich auf: „Die andere Hälfte machst du", bietet er mir seine Axt an. Wenn auch mit gehörigem Respekt, gehe ich mit Dennis alle Sicherheitsvorkehrungen durch und freue mich auf meinen ersten Versuch am Underhand Chop. Doch die Freude weicht schnell der Ernüchterung, denn anders als Dennis schlage ich keine Chips, sondern maximal kleine Späne aus dem Holz. Etwa zehn Minuten später und unter freundlicher Unterstützung von Dennis ist es aber dann doch geschafft – gar nicht so leicht wie es aussieht. Mir geht das Motto der Stihl TIMBERSPORTS® Series durch den Kopf: „Kraft entscheidet, Präzision gewinnt." Offensichtlich fehlt es mir an beidem.

Deutsche Rookie-Meisterschaft als vorläufiger Höhe- und Wendepunkt
Dass es bei Dennis anders ist, beweisen nicht nur seine Trainingsleistungen, sondern auch seine bisherige Wettkampfbilanz: 2017 feierte er sein Debüt bei den Rookies und erreichte beim Cup in Klingenthal gleich den dritten Platz. Ein toller Erfolg, aber gleichzeitig seine erste große Niederlage. Nur ein Punkt fehlte dem Frechener zum Gesamtsieg. Umso bitterer, dass eine Disqualifikation an der Stock Saw seinen ersten Sieg verhinderte. „Unter diesen Umständen war das natürlich ärgerlich. Aber auch solche Erfahrungen bringen mich voran. Am Ende überwog bei mir die Freude über den dritten Platz", gibt Dennis sich sportlich. Ähnliches wiederholte sich beim diesjährigen F60 Cup in Lichterfeld: Diesmal trennten ihn weniger als vier Sekunden von der Spitze und Jan Kamir Jr. aus Tschechien, der sich schon bei der Rookie Weltmeisterschaft 2018 in Marseille auf internationaler Ebene einen Namen machte. Bei der Deutschen Rookie-Meisterschaft in Deggendorf war es dann soweit – im zweiten Jahr gelingt Dennis Schmitz endlich der erste Cup-Sieg. Ein geeigneter Zeitpunkt, um endlich den Sprung zu den Profis zu wagen: „Jetzt wird beim Training nochmal eine Schüppe draufgelegt", richtet der frischgebackene Rookie-Meister den Blick nach vorne.

Der nötige Ehrgeiz ist Dennis Schmitz nicht streitig zu machen. Deshalb geht der Trainingstag nach etwa einer Stunde am Holz im Fitnessstudio weiter. Auch hier trainiert Dennis Schmitz dreimal in der Woche und legt mit dem Krafttraining seine Fitnessgrundlage. Trotz des langen Tages zeigt er an der Hantelstange noch keine Spur von Müdigkeit. Dennis zieht sein Programm durch, nimmt sich aber auch hier seine Zeit. Er nutzt kleine Pausen für Gespräche mit anderen Besuchern – man kennt sich hier. Ein kurzer Austausch über die Sorgen des Alltags, einige nette Worte und weiter geht es. Bis zur letzten Wiederholung: „Geschafft", pustet Dennis durch. Zur Regeneration geht es noch kurz in die Sauna und dann frisch geduscht zum letzten Punkt auf unserer Agenda.

Etwa eine Stunde später befinden wir uns am Ufer eines Teiches in Frechen. Es nieselt. Außer des Plätscherns des Regens herrscht Stille. Es ist der Teich des örtlichen Angelvereins, in dem Dennis Schmitz zweiter Vorsitzender ist: „Das ist für mich der optimale Ausgleich zum Alltag. An freien Tagen komme ich gerne vorbei, werfe die Angel ins Wasser und genieße das Wetter mit meiner Freundin." Nach einem Tag zwischen Forstarbeit, Standing Block Chop und Eisenbiegen hat dieses Umfeld tatsächlich etwas von Idylle. Man spürt geradezu wie Kopf und Körper entspannen. Eine tolle Art einen kräftezehrenden Tag ausklingen zu lassen und Energie für anstehende Aufgaben zu sammeln.